Der Navigator
Er hilft Tag für Tag Millionen Autofahrerinnen und -fahrern: Heiko Schilling entwickelt für ein holländisches Unternehmen Navigationssysteme. Heiko Schilling entwickelt Navigationsgeräte für Fahrzeuge.
Redaktion: Was genau machen Sie, Herr Schilling?
Heiko Schilling???aural:Bildende???
Heiko Schilling: Ich arbeite bei einem Unternehmen, das Satellitennavigationssysteme entwickelt. Dort tüfteln wir mit anderen Mathematikern, Informatikern, Verkehrsingenieuren und Physikern.
Redaktion: Was passiert genau, mathematisch gesehen?
Heiko Schilling: Wir bilden das Straßennetz und den Straßenverkehr als Modell nach. Keine einfache Sache, denn es gibt viele Autobahnen, Ampeln und Kreuzungen. Dank dynamischer Algorithmen zeigt das Navi trotzdem in Sekunden die schnellste Route. Für uns ist auch die so genannte diskrete Mathematik wichtig. Das heißt, die Strukturen sind abzählbar oder endlich.
Redaktion: Welche Herausforderungen oder Probleme gibt es?
Heiko Schilling: Ein spannendes Problem für uns sind Staus. Denn da gibt es einerseits das statische Straßennetz und andererseits plötzliche Veränderungen. Wenn es zu einem Stau kommt, sollte das Navi ad hoc eine Umgehungsstrecke berechnen können. Computerorientierte Mathematik hilft hier beim Zusammenspiel mit der Informatik.
Redaktion: Sie haben in Göttingen, Oxford und Berlin studiert. Wie war die Unizeit?
Heiko Schilling: In den ersten Semestern ist es für viele eine Mischung aus Frust, Spaß und Neugier. Nach dem Vordiplom wächst der Spaß. Man sollte Mathematik schon mögen, aber der Mathematikunterricht in der Schule ist nicht unbedingt der einzige Maßstab. Was dich letztendlich im Beruf erwartet, ist meistens spannend und sehr praxisbezogen.
Redaktion: Wie sind die Berufschancen in Ihrem Bereich?
Heiko Schilling: Ich selbst hatte das Glück, dass ich nach dem Abschluss gleich mehrere Angebote bekommen habe. Generell boomt der Navigationsbereich und es werden viele gute Leute gebraucht. Die Produkte entwickeln sich sehr schnell weiter: Neue coole Bedienelemente und Features setzen immer neue Standards.
Redaktion: Braucht man als Mathematikerin oder Mathematiker einen Doktortitel?
Heiko Schilling: Notwendig ist der Titel auf keinen Fall. Man kann ihn eher als erweitertes Studium betrachten, das sich aber grundsätzlich von dem eigentlichen Studium unterscheidet. Mit der Promotion betritt man Neuland, was sehr aufregend sein kann. Man forscht an eigenen Themen, fährt zu Konferenzen weltweit und diskutiert mit Menschen aus verschiedensten Ländern über interessante Fragestellungen. Dies war meine beste Zeit während des gesamten Mathematikstudiums.
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