Du kannst mehr Mathe, als du denkst: Guter Empfang

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Du kannst mehr Mathe als du denkst


Guter Empfang

Ein Mathematiker in der Telekommunikation: Andreas Gamst arbeitet für einen großen Mobilfunkanbieter in der Netzplanung.


Redaktion: Herr Gamst, beschreiben Sie uns kurz, was Sie beruflich machen?

Andreas Gamst: Ich plane Mobilfunknetze, in erster Linie die Funkübertragung zwischen den Antennenstandorten und den Handys der Kunden. Bei der Funknetzplanung geht es darum, welche Dienste wo angeboten werden sollen. Dabei spielen die Qualität der Funkverbindung, die Kapazität des Netzes und, wie immer, die Kosten eine wichtige Rolle. Ich persönlich bearbeite dabei vor allem "strategische" Fragestellungen, unter anderem kümmere ich mich um Frequenzressourcen, Lizenz- und Vertragsfragen sowie Patente.???aural:Bildanfang???GamstAndreas Gamst???aural:Bildende???

Redaktion: Wie nützlich ist dabei Mathematik?

Andreas Gamst: Sie verhilft mir zu einem klaren Blick. Durch meine Ausbildung habe ich gelernt, von reinen Vermutungen zu konkreten Erkenntnissen vorzudringen. Manchmal kann man schon mit einem Dreisatz Wissen hinzugewinnen. Manche Fachkenntnisse musste ich mir dann nach dem Studium aneignen. Aber das fällt einem Mathematiker oft leichter als einem Kollegen mit anderer Ausbildung.


Redaktion: Was sollte man für Ihren Beruf außerdem noch mitbringen?

Andreas Gamst: Wichtig ist vor allem, dass man gut mit Menschen zusammenarbeiten kann. Man muss lernen, in Projekten gemeinsame Ziele zu formulieren und zu verfolgen. Und man muss bereit sein, sich auf völlig andere Denkweisen einzustellen. Ich persönlich schätze es auch sehr, wenn sich jemand bemüht, gutes Deutsch zu sprechen und zu schreiben. Englisch- und Computerkenntnisse sind natürlich unverzichtbar.


Redaktion:
Was gefällt Ihnen denn an Mathe?

Andreas Gamst: Mathematik erzieht zur Mündigkeit. In einer Diskussion über mathematische Fragen haben alle dieselben Voraussetzungen und Werkzeuge. Niemand kann Macht über die Anderen ausüben. In der Vorlesung kann die Studentin im ersten Semester den Professor korrigieren, wenn der einen Fehler gemacht hat; die Überprüfungsinstanz sind die anderen Zuhörer. Das sollte eigentlich bei jeder Wissenschaft so sein, aber ich habe den Eindruck, dass es nur in der Mathematik wirklich gelebt wird.


Redaktion: Ein kurzer Blick zurück – wann wussten Sie, dass es ein Mathestudium sein soll?

Andreas Gamst: Als ich das Abitur hatte, war Mathe eigentlich das einzige Fach, in dem ich mich einigermaßen fit fühlte. Ich habe dann einfach mal losstudiert, ohne eine Berufung zu spüren. Am Anfang, bis zum Vordiplom, ist mir alles sehr schwer gefallen. Danach habe ich gemerkt, dass ich aus meinen Schwächen Stärken machen kann, indem ich mich gerade mit den unangenehmsten Themen besonders intensiv auseinandersetze. Von da an ging es bergauf, und ich habe meine Note vom Abitur über Vordiplom und Diplom bis hin zur Promotion jedes Mal verbessern können.


Redaktion: Ihre Tochter studiert heute auch Mathematik. Welche Tipps gibt der Vater da seiner Tochter?

Andreas Gamst: Im Gegensatz zu mir war meine Tochter richtig gut in der Schule. Sie hat sich dann für Mathe entschieden, ohne dass ich ihr besonders zugeraten habe. Meine Tipps für sie sind eher allgemein:  Mach das, was Dich wirklich interessiert und mach es von ganzem Herzen. Die eigene Motivation ist durch nichts zu ersetzen. Versuch außerdem frühzeitig, durch Praktika oder kleine Jobs das Berufsleben kennenzulernen. Schule und Studium sind wichtig, aber die eigentliche Bewährung kommt danach.


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