Du kannst mehr Mathe, als du denkst: Die Designerin

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Du kannst mehr Mathe als du denkst


Die Designerin

Sie arbeitet Tag für Tag mit textiler Mathematik und bringt Mathe auf den Laufsteg. Die Designerin: Claudia Bothe näht und designed mit Mathematik.

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Redaktion: Frau Bothe, Sie haben gerade Ihr Modedesign-Studium an der Fachhochschule Hannover abgeschlossen. Was hat Ihnen an dem Studium am meisten Spaß gemacht?
Claudia Bothe: Neben den Grundkenntnissen des Designs, der Schnittkonstruktion und Produktionsplanung bestand der Großteil meines Studiums daraus, Kollektionen zu erstellen. Der eigenen Kreativität war dabei keine Grenze gesetzt, so dass meine Kommilitonen und ich unseren eigenen Stil entwickeln konnten. Persönliche Höhepunkte waren zudem meine Auslandssemester in London und Paris.

                                   

Redaktion: In welchen Bereichen Ihres Studiums hatten Sie mit Mathematik zu tun? Und in welchen Bereichen greifen Sie heute als Modedesignerin auf Mathematik zurück?
Claudia Bothe: In meinem Studium habe ich meinen eigenen Arbeitstil entwickelt, indem ich mir immer wieder selber Aufgaben beim designen gestellt habe. Solche Aufgaben waren zum Beispiel, nur quadratische Schnittteile zu verwenden oder Kleidungsstücke aus einer einzigen Naht zu nähen. Beim Lösen dieser Aufgaben griff ich oftmals auf Mathematik zurück. Auch wenn Betrachter in meinen Kollektionen später nicht mehr den direkten Zusammenhang zu meinen mathematischen Inspirationen erkennen können, sind diese für mich der Ursprung meiner Ideen.

                                                   

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Redaktion: In Ihrer Abschlussarbeit haben Sie sich die Frage gestellt, wie nah Mathematik und Kunst beieinander liegen. Zu welcher Antwort sind Sie gekommen?
Claudia Bothe: Obwohl Mathematik und Kunst eher als gegensätzliche Bereiche gesehen werden, gehen sie meiner Meinung nach vom gleichen Ursprung aus. Mathematik und Kunst sind zwei unterschiedliche Verfahren, die Welt zu beschreiben und zu erklären. Meine Arbeiten sind größtenteils von mathematischen Teilgebieten inspiriert. In meinem Studium habe ich zum Beispiel Arbeiten zur "Quadratur des Kreises" und zu fraktaler Geometrie entwickelt. Meine Diplomkollektion habe ich "Schnittmenge zum Quadrat" genannt, weil ich die Kleidungsstücke aus quadratischen Schnittteilen kreiert und beim designen viele rechte Winkel verwendet habe.

                                                 

Redaktion: In einem Ihrer Auslandsaufenthalte nannte man Sie "squarehead", zu deutsch "Quadratkopf". Welche Geschichte steckt hinter diesem Namen und was bedeutet er?
Claudia Bothe: In meinem letzten Semester vor der Diplomarbeit habe ich einen Erasmusaufenthalt in Paris gemacht. Ich hatte mich für eine Modeschule entschieden, die für ihre chaotisch kreative Form des Unterrichts bekannt ist. Erst habe ich versucht, mich anzupassen. Dann bin ich aber wieder mehr zu meiner strukturierten und konzeptionellen Arbeitsweise zurückgekehrt. In den Augen meiner Kollegen dachte und arbeitete ich allerdings "quadratisch". Was mir den Spitznamen "squarehead", zu Deutsch "Quadratkopf" einbrachte.

                                           

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Redaktion: Bereits während Ihres Studiums haben Sie Mathematik zum Thema Ihrer Kreationen gemacht. Wie können wir uns textile Mathematik vorstellen?
Claudia Bothe: In meinem zweiten Semester habe ich zum ersten Mal mit einem mathematischen Thema gearbeitet. Die Aufgabe war, einen raumgreifenden Rock herzustellen. Daraufhin habe ich einen Rock designed, der durch die aus der Mathematik bekannte "Quadratur des Kreises" inspiriert war. Dies führte dazu, dass sich das Kleidungsstück durch diverse Techniken vom Rock in ein Kleid, eine Hose, eine Jacke und vieles mehr umwandeln ließ. Auch in meiner Diplomkollektion habe ich mit rechteckigen Schnitteilen gearbeitet. Dabei haben mich Algorithmen und alte "euklidische Elemente" inspiriert.

                         

Redaktion: Gibt es einen Menschen in Ihrem Umfeld, der Sie mit seiner Begeisterung für Mathematik angesteckt hat?
Claudia Bothe: Mein Vater ist Mathe- und Physiklehrer. Mit seiner Mathebegeisterung hat er mich auf alle Fälle angesteckt. Er hat mich auch auf die Idee mit dem verwandelbaren Rock gebracht und somit schlussendlich den Grundstein für die mathematischen Inhalte in meinen Kreationen gelegt.

                                     

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Redaktion: Hat Ihnen der Mathematikunterricht während der Schulzeit Spaß gebracht?
Claudia Bothe: Ich war kein großer Mathefan in der Schule. Und meine Noten waren auch nicht allzu gut. Ich kann mich noch gut erinnern, wie mein Mathelehrer zu mir meinte: "Claudia, auch Du wirst später in einem künstlerischen Beruf auf Mathematik zurückkommen müssen." Dass es soweit geht, dass ich mich sogar in meiner Diplomkollektion mit komplexen Themen der modernen Mathematik beschäftige, hätte ich damals sicherlich nicht geahnt.

                                         


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