Du kannst mehr Mathe, als du denkst: Interview mit Jessica Fintzen

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Du kannst mehr Mathe als du denkst


Interview mit Jessica Fintzen

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Hallo Jessica, wie alt bist du und woher kommst du?
Ich bin 19 Jahre alt und komme aus Quickborn und studiere jetzt in Bremen.

Jessica, du hast diesen Sommer an der Internationalen Mathematik-Olympiade (IMO) in Madrid teilgenommen. Das war sicher nicht dein erster Mathematik-Wettbewerb, oder?
Nein. Ich nehme schon seit der 8. Klasse an der Bundesrunde der Mathematik-Olympiade teil, habe schon ein paar Jahre lang beim Bundeswettbewerb Mathematik mitgemacht und war auch schon mehrmals beim Auswahltraining für die Internationale Mathematik-Olympiade.

Wie viele deutsche Teilnehmer sind mit dir nach Madrid gereist?
Fünf weitere Schüler.

Wie war das, Mathematikbegeisterte aus aller Welt zu treffen? Habt ihr euch untereinander auf Englisch unterhalten?
Ich fand es sehr interessant Schülerinnen und Schüler aus aller Welt zu treffen, allerdings war die Zeit natürlich viel zu kurz um mit allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern zu sprechen, vor allem weil man auch viel im Team bzw. in kleinen Gruppen aus mehreren Teams unterwegs war. Untergebracht waren wir z.B. mit den Österreichern, Schweizern und Liechtensteinern, mit denen wir deutsch gesprochen haben. Ansonsten wurde natürlich Englisch geredet – wobei ich auch mit Spaniern und Lateinamerikanern Spanisch gesprochen habe.

Wie lange wart ihr in Madrid und wie war das Programm gestaltet?

Ich war fünf Tage in Madrid, allerdings nur weil ich früher abgefahren bin, um auch an der International Physics Olympiad (IPHO) teilnehmen zu können. Die eigentliche IMO dauerte neun Tage für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Dadurch habe ich einen Teil des Freizeitprogramms nicht mitmachen können. Das, was ich an Erfahrungen und neuen Eindrücken mitnehmen konnte, gefiel mir aber sehr gut, abgesehen davon, dass es zum Teil einfach zu heiß war. 

Verrätst du uns, wie du dich für die IMO vorbereitet hast?
Zum einen hatten wir fünf Vorbereitungsseminare, während derer wir durch Klausuren für das Team ausgewählt wurden. Und ich habe zu Hause viel anhand alter IMO-Aufgaben geübt.

Hattest du auch mal Zweifel, ob du es schaffen wirst?
Ja. Ich habe bis zur letzen Auswahlklausur nicht gewusst, ob ich im Team bin, da es sehr knapp war.

Wann und wodurch bist du auf die Idee gekommen, an Mathematik-Wettbewerben teilzunehmen?
In der 7. Klasse wurde an unserer Schule eine Mathematik-AG angeboten, deren Teilnehmerinnen und Teilnehmer zur Landesrunde der Mathematik-Olympiade in Schleswig-Holstein fahren konnten. Das war der Beginn meiner ganzen Mathematik-Wettbewerb-Teilnahmen.

Was würdest du jungen Menschen raten, die gern an einem Mathematik-Wettbewerb teilnehmen würden? Muss man dafür besonders begabt sein?
Man sollte es auf jeden Fall einfach versuchen. Das Wichtigste ist, dass man Spaß an der Mathematik hat. Außerdem kann man vor der Teilnahme am Wettbewerb selber eh nicht einschätzen, wie gut man im Vergleich zu den anderen Schülern ist (so ging es mir zumindest). Einfach ausprobieren, seine Grenzen austesten und viele neue Freunde treffen!

Dir scheint Mathematik viel Spaß zu machen. War das schon immer so? Wodurch wurde dein Interesse an Mathematik geweckt?
Mir hat Mathematik schon von Anfang an Spaß gemacht, auch wenn man in der Grundschule eigentlich gar keine Mathematik macht sondern rechnet. Als ich dann in der 7. Klasse die Möglichkeit bekam, an einer Mathematik-AG teilzunehmen, habe ich es einfach gemacht und die Mathematik richtig lieben gelernt. Es macht einfach Spaß, zunächst schwer aussehende Probleme zu knacken. Oft gibt es sehr schöne und elegante Lösungen.

Was hältst du vom gängigen Matheunterricht an den Schulen? Hast du Verbesserungsvorschläge?
Ich denke der Mathematikunterricht hängt sehr stark von den Lehrern ab. Es gibt einfach Lehrer, die es schaffen, den Schülerinnen und Schülern die Schönheit und den Spaß an der Mathematik zu vermitteln. Allerdings gibt es leider auch viele Lehrer, bei denen das anders aussieht… Somit kann man kaum vom gängigen Matheunterricht sprechen. Ein Nachteil ist auch, dass oft einfach nur Formeln auswendig gelernt werden, die dann auf lauter Aufgaben des gleichen Typs angewandt werden. Was jedoch hinter den Formeln steckt, bleibt dabei dann oft verborgen. Außerdem finde ich es schade, dass die Lehrpläne der einzelnen Bundesländer so unterschiedlich sind. Ich bin mir zwar bewusst, dass das Schulwesen Ländersache ist, aber die Vereinheitlichung der Lehrpläne wäre wirklich toll, da es zum Teil riesige Wissensunterschiede zwischen den einzelnen Bundesländern gibt. Dasselbe gilt für die Förderung interessierter und begabter Schülerinnen und Schüler. Zum Beispiel finde ich es schade, dass es nur in den neuen Bundesländern „Spezialschulen“ für naturwissenschaftlich interessierte Schüler gibt. So etwas fehlt mir im Westen.

Hast du schon Pläne für deine berufliche Zukunft?

Ich studiere erst einmal Mathematik und Physik (Grundstudium an der Jacobs University) - was danach kommt, ist noch ungewiss.


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